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Mittwoch, 22. Dezember 2010

¡Feliz Navidad!

Szene in der Krippenlandschaft im Hausflur (ist hier üblich statt Weihnachtsbäumen)

Mittwoch, 15. Dezember 2010

Dienstag, 7. Dezember 2010

Súperpuente

Buenaaaaaaas!

Heute ist "súperpuente". Ich tu mir etwas schwer damit, genau zu beschreiben, was das eigentlich ist. Der Taxifahrer, der mich am Freitag zum Bahnhof in Sevilla gefahren hat, bezeichnete so das durch zwei Feiertage und einen Brückentag ("día de puente") extrem verlängerte Wochenende. Am Montag war "Día de la Constitución", morgen ist "La Inmaculada" (Maria Empfängnis) und heute eben "puente".

Das kommt mir ganz gelegen, denn ich hatte schon bevor ich davon wusste einen viertägigen Trip nach Madrid gebucht, um mich dort mit Miri zu treffen. Ich fuhr am Freitag morgen mit dem Schnellzug, der Sevilla und Madrid auf direktestem Weg verbindet. Der Zug hielt auf der ca. 500 Kilometer langen Strecke nur einmal in Córdoba und passierte das Bergarbeiterstädtchen Puertollano; ansonsten raste er durch menschenleere, teils verscheneite Mittelgebirgslandschaft hinauf auf die 700 Meter hoch gelegene "meseta" (Hochebene) , in der Madrid liegt.

Aus dem Zug heraus fotografiert
Ich weiß nicht, ob es am "súperpuente" lag, oder ob in Madrid immer so viel Trubel herrscht - auf jeden Fall war die Hölle los. Durch die Innenstadt, an der Puerta del Sol, auf dem Plaza Mayor  und in den unzähligen Bars zwängten sich riesige Menschenmassen, vielleicht zu vergleichen mit denen, die sich am samstags vor Weihnachten über die Zeil schieben. Alles war bunt beleuchtet, es gab einige Weihnachtsmarktstände und vor allem ziemlich abgefahrene Straßenkünstler: Menschen, die als Monster ohne Kopf verkleidet durch die Gegend liefen oder sich in kleine Puppen zwängten und sie Gitarre spielen ließen. Auf dem Plaza Mayor stand einmal ein junger Typ mit einem Säbel in der Hand. Um ihn herum hatte sich eine große Menschentraube versammelt. Ihm gegenüber stand eine Frau, die er immer wieder dazu aufrief, ihm einen Apfel zuzuwerfen: "Christiiiinaaa: Lanndsa la manndsana!!" Christina, rief er sie lautstark und in einem unüberhörbar deutschen Akzent auf, wirf mir den Apfel zu! Ich gehe davon aus, dass er ihn mit seinem Säbel in der Luft zertrennen wollte, aber irgendwie schlugen Christinas Wurfversuche immer wieder fehl. Irgendetwas schien nicht zu funktionieren und so versuchte der Künstler ersteinmal, für Stimmung zu sorgen, in dem er seinen Säbel auf einen Kegel in seiner anderen Hand schlug und dem Publikum so den Rythmus zum Klatschen vorgab: "Mass fwerte!! Mass fwerte!!" - Stärker, los stärker! Anschließend verkündete er seine Absichten: "Esso ess mii trabachoo! Poa favoa uhn euro, sinko sonn fanntasstiko!" - Ich lebe hiervon, bitte geben sie mir einen Euro oder fünf, das wäre super! Dann versuchte Christina nochmal den manndsana zu lanndsan, aber wieder völlig daneben. Daraufhin wandten sich die meisten Leute ab, drehten sich um und gingen weg. Sichtlich nervös nahm der Typ nun seinen Säbel in die eine, einen Kegel in die andere Hand und begann damit und dem Apfel zu jonglieren, wobei er währenddessen immer wieder den Apfel in den Mund nahm und ein Stück abbiss, bis er den ganzen Apfel jonglierend aufgegessen hatte. Das war wirklich beeindruckend, allerdings schauten ihm dabei keine zehn Leute mehr zu...

Häuserfront an der Plaza Mayor
Abends an der Puerta del Sol
Der Palacio Real
Kapelle am Palacio Real


Sonntags morgens findet in Madrid der "Rastro", der größte Flohmarkt Europas, statt. Die Bezeichnung Wochenmarkt trifft es allerdings besser, denn die meisten Verkäufer sind kommerzielle Händler. Der Menschenandrang war riesig und wir entschieden uns gegen ein Durchzwängen zwischen Ständen, an denen ohnehin stets der gleiche mehr oder weniger langweilige Plunder verkauft wird (Klamotten, Schmuck, Aufnäher, Bob Marley-Poster, Klamotten und, äh, Mützen und Ohrringe und Schuhe und Räucherstäbchen und Aufnäher und auch Strickjacken und Ohrenschützer und vor allem Klamotten und manchmal auch Kurt Cobain-Poster...).

El Rastro
Vor zwei Wochen war ich auf dem Flohmarkt in Sevilla, vor allem um nach einem neuen Fahrrad zu schauen (ich habe aber kein gescheites gefunden bzw. die gescheiten waren mir zu teuer). Der Markt findet jede Woche auf der Isla Cartuja statt, dirket hinter dem Gelände der Weltausstellung von 1992. Den Ort zu finden war nicht so ganz einfach, so dass ich lange auf dem Expogelände umherirrte. Einige alte Pavillons werden heute noch von Firmen oder Instituten genutzt, viele gammeln aber auch nur vor sich hin. Der "Rastro" in Sevilla war flohmarkt-mäßiger als sein großer Bruder in Madrid. Es gab allen möglichen Ramsch, Bücher, Filme, alte Möbel und natürlich auch Klamotten und Che Guevara-Poster.

Zurück zu Madrid:
Besonders schön war es am Sonntag Abend im Hamam, einem arabischen Bad. Das Hamam befindet sich in einem Kellergewölbe und besteht aus einem Dampfbad, einem Kalt-, mittel temperierten und Heißwasserbecken sowie Massageräumen. Dort ließen wir es uns zwei Stunden lang gutgehen. 

"Madrid ist keine Schönheit, aber ein Hingucker". So oder so ähnlich lautet ein Sprcihwort über die Stadt und ein bisschen was ist auch dran. Madrid wartet nicht mit einer so schönen Altstadt wie Sevilla oder Córdoba auf und hat auch kein besonders monumentales oder spektakuläres Bauwerk aufzuweisen. Was Madrid, wie ich finde, interessant macht, sind das impulsive (Nacht)Leben und die vielen  eigen-artigen "barrios" (Stadtviertel) um das Zentrum herum (ähnlich wie in Berlin). Ach ja und nicht zu vergessen natürlich die Kunstmuseen ;).


Während der vergangenen Tage gab es in Spanien einen (wohl unangemeldeten) Fluglotsenstreik. Die spanische Regierung rief daraufhin den Notstand aus. Das Militär besetzte die Tower einiger Flughäfen und verhängte Militärrecht über sie, so  dass den Fluglotsen im Falle einer Weiterführung des Streiks bis zu 15 Jahre Haft gedroht hätten. Auf diese nicht gerade zimperliche Art und Weise hat der spanische Staat klargemacht, was er von Streiks hält, die ohne seine Erlaubnis stattfinden und welchen Mitteln sich zu bedienen er bereit ist, um solche unrechtmäßigen Aktionen zu beenden. Die Fluglotsen wurden an ihre Arbeitsplätze zurück gezwungen und der Flugbetrieb läuft seit gestern morgen wieder normal. 

Miri ist trotz alle dem ohne Probleme nach Hause gekommen - schon ob der Hinflug stattfinden würde, war ja aufgrund des Schneechaos in Frankfurt fraglich. Von all der winterlichen Kälte merkt man hier nichts. Heute sind es um die 20 Grad, allerdings fällt ab und zu heftiger Regen und es gewittert. Ab morgen soll dann aber wieder die Sonne scheinen und es wird noch wärmer.


Nach dem etwas ungemütlichen Versuch vor einigen Wochen, an Tickets für ein Spiel des FC Sevilla zu gelangen, hat es nun endlich geklappt. Ende November war ich zusammen  mit Alex, der Cordelia für einige Tage in Sevilla besucht hatte, auf einem Fußballspiel im Stadion Ramoz Sanches-Pizjuan. Auch über einen Schwarzmarkthändler, aber diesmal über einen mit Hosentaschen ohne Löcher, gelangten wir an Tickets für ein Ligaspiel gegen Real Mallorca. Unsere Plätze waren genau in der Fankurve des FC Sevilla, wobei man sagen muss, dass das Fantum hier nicht zu verlgeichen ist mit dem in Deutschland. Zwar haben sich meine Fluchfertigkeiten während der 90 Minuten ungemeint verbessert (was "Schiiiriiiiiii!!!!!!!" auf Spanisch heißt, weiß ich aber leider noch nicht), doch sind die Fans hier nicht so ultra-mäßig drauf wie beispielsweise in Frankfurt. Das Spiel war kein Kracher, aber durchaus interessant und stellenweise auch spannend. Real Mallorca (zu diesem Zeitpunkt auf Platz 10 in der Tabelle; Sevilla war 5.) war die bessere Mannschaft und ging auch recht früh in Führung. Erst drei Minuten vor Schluss gelang Sevilla der Ausgleich - jedoch legte Mallorca in der Nachspielzeit noch eines nach und gewann schließlich mit 2:1. Hijos de puta!! ;).
Am 15. Dezember spielt Sevilla hier gegen Dortmund im Europapokal. Ich treffe mich später mit einem Kumpel am Stadion, um uns nach Tickets zu erkundigen. Ich befürchte allerdings, dass die Tickets, wenn es denn überhaupt noch welche gibt, zu teuer sein werden, als dass ich sie mir leisten werden kann.

Das Stadion von außen...
 
...und von innen.

                            









Ein absolutes Fußball-Großereignis fand am vorvergangenen Montag statt: "El Partido". Das Spiel. Der FC Barcelona traf in der Liga auf Real Madrid. An diesem Tag sprach jeder nur von "El Partido" und der Frage, wo man es denn gucken würde. Ich schaute es mit eingen Leuten zusammen in einer Sportsbar und "El Partido" hielt wirklich, was die großen Namen auf dem Rasen versprachen: Barcelona fegte Real mit 5 zu 0 vom Platz. Qué fuerte! 

Die Woche davor war ich dann endlich mal auf einer Jam Session im Casa de Max. Wie ich schon mal geschrieben hatte, ist das Casa de Max eine große, überdachte Garage, in der Max wohnt und eine Bühne aufgebaut ist, auf der donnerstags Jam Sessions stattfinden. Es war brechend voll, die Musik angenehm unvorhersehbar (und nichtsdestotrotz gut) und die Stimmung sehr gut. Wirklich ein einmaliger Ort.


Im Anschluss in einer Bar.








Joa, was gibts sonst noch zu erzählen? Dienstags gehe ich jetzt immer auf einen sogenannten Stammtisch espanol-alemán, was nichts anderes ist, als dass sich alle möglichen Leute in einer Bar treffen, um Spanisch bzw. Deutsch zu sprechen und zu üben und Leute kennenzulernen. Außerdem habe ich einen Tamdempartner, Juanma, mit dem ich mich auf Englisch und Spanisch unterhalte (also er will sein Englisch verbessern, ich mein Spanisch). Juanma ist ein netter Kerl und wir teilen auch viele Interessen, so dass wir öfter was miteinander unternehmen.

Juht, so weit so gut erstmal. Falls mir noch etwas einfällt, trage ich es in den nächsten zwei bis drei Tagen nach.

Über Weihnachten komme ich vom 22.12. bis 3.1. nach Hause.


Liebe Grüße und ha´ta luego.

Roberto


P.S. @ Lisa: Mit dem Perfekt ist es jetzt doch nichts geworden. Lo siento ;).

Mittwoch, 17. November 2010

La Alhambra - die rote Stadt

Buenas,

gestern war ich mit Jo und Mareen, seiner Freundin, in Granada, wo wir die Alhambra besichtigt haben. Die Alhmabra war der Regierungssitz der maurischen Herrscher und später, nach der christlichen Rückeroberung Spaniens, Sitz christlicher Könige. Die Alhambra besteht aus mehreren "Teilen":
- Dem Palast und den Gärten des Generalife; quasi die Sommerresidenz des Kalifen.
- Die Burg: eine Burg eben.
- Die Nasridenpaläste: Herrschaftszentrum der Nasridenkönige (arab. Herrschaftsgeschlecht). Von außen erscheinen die Paläste ziemlich schlicht. Innen dominiert dezenter Luxus. Die Verzierungen der Wände der Innenräume sind auf filigranste Weise ausgearbeitet und strotzen nur so vor Formenreichtum. Zwischen den einzelnen Abschnitten sind immer wieder Wasserbecken angelegt.
- Der Palast Carlos V. Ein ziemlich grob wirkender, quadratischer Palast mit einem kreisrunden Innenhof in der Mitte.
- Ruinen von Wohnhäusern der Menschen, die innerhalb der Festungsmauern wohnten.

Die Bilder sind alle - genau so wie die der letzten zwei Posts - ziemlich überbelichtet und haben einen komischen Kontrast. Ich fragte mich die ganze Zeit schon, woran das liegen könnte. Heute ist mir aufgefallen, dass die Schwarz-Weiß-Einstellung der Kamera verstellt war, so dass die Bilder generell zu hell wurden. Die nächsten werden dann wieder besser.


Auf dem Weg nach Granada. Im Hintergrund erscheinen die schneebedeckten Gipfel der Sierra Nevada. Der Mulhacén ist über 3400 Meter hoch und der höchste Berg auf dem spanischen Festland.






Die Alhambra von den Gärten des Generalife aus gesehen (quasi von der Seite).







Innerhalb des Palastes des Generalife.











In den Gärten des Generalife. Rechts Jo und Mareen.

                                                    
                                                      


Blick von der Burg auf den Eingang der Nasridenpaläste. Das quadratische Gebäude rechts oben ist der Palast Carlos V.







Ausblick auf Granada. Links im Bild die Kathedrale.








Die Burg. Rechts Blick auf die Sierra Nevada.


         





Blick auf den Albayzín, das alte Judenviertel von Granada. Wie in Sevilla und Córdoba ist das Viertel von engen Gassen durchzogen. In Granada kommt als besonderes Merkmal hinzu, dass sich die Gassen einen Hügel hinaufschlängeln. Oben angekommen hat man vom Aussichtspunkt San Nicolas einen herrlichen Ausblick auf die Alhambra.




Das Innere der Nasridenpaläste.



Es wird Abend in Granada.








Blicke vom Aussichtspunkt San Nicolas im Albayzín-Viertel.









Mittwoch, 10. November 2010

Sevilla real crime city

Buenaaas,

schon die gesamte letzte Woche fühlte ich mich nicht sonderlich fit, aber der vorgestrige Tag hat mir dann endgültig den Rest gegeben, so dass ich gestern nur im Bett lag und eine Kanne Tee nach der anderen trank und mich auch heute nur zwischen Bett und Küche hin und her bewegte.
Am Montag ging ich wie jeden Morgen die Treppe hinuter ins Erdgeschoss zu meinem Fahrrad, das ich im Gang abgestellt hatte. Im Gegensatz zu den Morgen zuvor stand es allerdings nicht mehr da. Ich hatte mir am vergangenen Wochenende einige spanische Kraftausdrücke beibringen lassen, von denen ich einen nun zum ersten Mal en realidad Gebrauch machen konnte: Vaya putada! - Verdammt! Das Fahrrad war weg und ist bisher auch nicht wieder aufgetaucht. Nicht nur, dass ich nun erstmal alles erlaufen muss, bis ich ein neues habe (dieses mal leihe ich es mir nicht, sondern kaufe mir eins auf dem Schwarzmarkt; vielleicht finde ich dort ja auch meines wieder), sondern auch, dass 100€ Kaution weg sind. Puta madre! - Verdammte Scheiße! Mit ziemlich mieser Laune lief ich also zur Uni (zum Glück sind es nur gute fünf Minuten zu Fuß). Im ersten Kurs, La historia de espana en la edad media, bediente sich der Dozent mal wieder seine´ be´ten Andalu´ un´ i´ ve´tan´ kaum ei´ Wor´. An manchen Tagen verstehe ich mehr, an anderen weniger. An diesem Morgen war es definitv weniger, was meine Laune noch weiter sinken ließ.
Am Nachmittag hatte ich dann Ärger mit einem Sevici, einem öffentlichen Rad, dessen Rückgabe nicht registriert wurde. Grrg.
Abends waren wir im Kino. Zur Zeit findet das Europäische Filmfestival Sevilla statt. Wir schauten uns einen, hmm.. ich nenns mal Polit-Thriller, an, der wirklich sehr, sehr spannend war. Los minutos del silencio hieß er. Als wir aus dem Kino, das genau neben dem Stadion des FC Sevilla ist, rauskamen, strömten Menschenmassen ins Stadion. Der FC Sevilla spielte gegen Valencia. Wir hatten große Lust, uns das Spiel anzuschauen und erkundigten uns vor dem Stadion nach Karten. Nora gabelte einen Schwarzmarkthändler auf, der uns 5 Tickets für 50 Euro verkaufen wollte. Der Handel zog sich allerdings dahin, denn er konnte uns die Ticktes nicht gleich geben, sondern musste immer noch mal telefonieren und warten und telefonieren... Schließlich gab ich ihm eine Anzahlung von 20 Euro, mit der er sich dann angeblich auf den Weg machte, die Karten zu kaufen. Dieser Weg, Nora und ich liefen mit ihm, führte immer weiter vom Stadion weg und irgendwann, als er merkte, dass es uns zu bunt wurde und wir das Geld zurückhaben wollten, meinte er, der Zwanziger sei ihm aus der (Jogging)Hosentasche gefallen. Das sei nicht unser Problem, meinte ich, er solle uns gefälligst das Geld zurückgeben. Der gute Mann ließ sich jedoch nicht beirren und setzte seinen Weg unbekümmert in Richtung einer Ubahn-Station fort. Dass er das Geld verloren hatte, glaubten wir ihm nicht, zumal er noch mehrere Fünfziger im Portmonnaie hatte, mit denen er uns aber nicht auszahlen wollte. Ich konnte mich ihm auch nicht mal eben in den Weg stellen, denn er hatte mindestens 120 Kilo auf den Rippen. Wir ließen nicht locker und liefen stest neben ihm her, wussten aber nicht recht, was wir tun sollten. Bis wir zu der Ubahn-Station kamen, vor der fünf Securities standen. Nora lief zu ihnen hin und erläuterte ihnen unseren Fall. Zunächst meinten sie, das wäre eine Sache der Polizei, halfen uns dann aber doch, indem sie dem Dicken den Weg versperrten. Dieser meinte daraufhin plötzlich, er könne einen seiner Fünfziger in einer Bar wechseln lassen und uns unser Geld zurückgeben. Zwei der Securities begleiteten uns daraufhin in die Bar, in der wir den Zwanziger dann endlich zurückbekamen.
Der Tag war also wirklich nicht schön, er drehte sich nur um Diebstahl, Geldverlust und Betrug. Bäh. Schlag-k.o. fiel ich ins Bett und wachte am nächsten Morgen krank auf. Joder. Kacke.

Vor zwei oder drei Wochen mieteten Cordelia, Nora, Elena, eine Französin (deren Namen ich nicht mehr weiß) und ich uns ein Auto und fuhren in die Sierra de Norte, ein Mittelgebirge im Norden Sevillas. Dort wanderten wir durch sanfte Hügellandschaft, in der lose verteilt Steineichen wachsen. Von deren Eicheln ernähren sich die iberischen Schweine, wodurch der aus ihrem Fleisch hergestellte Serrano-Schinken seinen besonderen Geschmack erhält. Immer wieder passierten wir große landwirtschaftliche Anwesen, auf deren Weiden Kampfstiere gezüchtet werden und das herrlichste aller Stierleben führen, bis sie in der Arena abgeschlachtet werden. Die Wanderung führte zu den Ruinen der römischen Stadt Munigua. 
Steineichen"wald"
v. l. n. r.: Die Französin, Cordelia, Nora, Elena

Kampfstier
Kirchturm in Carmona

Munigua

Im Anschluss fuhren wir noch nach Carmona, einer schönen, kleinen Stadt im Norden Sevillas. Dort aßen wir auf einem schönen Platz zu Abend. Es war Samstag und so waren viele Leute, insbesondere die Kinder, fein herausgeputzt und in ihren besten Klamotten unterwegs. Kleine Kinder werden hier an den Wochenenden schick gemacht was das Zeug hält. Die Mädchen tragen Kleidchen und Schleifchen, die Jungen kurze Anzugshosen, todschicke Hemden und die Haare zu einem akuraten Seitenscheitel gekämmt. Sie sehen dann ein bisschen aus wie Kinder in Deutschland auf Fotos aus den 40ern oder 50ern.

Letzen Sonntag war ich mit Nora, Elena und Lisa in Ronda, einer cueva (Tropfsteinhöhle) und  in Zahara de la Sierra. Ronda ist eine nette kleine Stadt, die vor allem für ihre spektakuläre Brücke über eine tiefe Schlucht, die die Stadt in zwei Hälften teilt, berühmt ist.

 Vor der Stierkampfarena. Hier, nicht wie ich mal geschrieben hatte in Sevilla, wurde der Stierkampf zu Fuß erfunden.
Die Schlucht
El puente nuevo, Rondas berühmte Brücke














Umgebung von Ronda

Anschließend schauten wir uns eine ziemlich große Tropfsteinhöhle an, in der bis vor ca. 4000 Jahren Menschen lebten. Leider durfte man nicht fotografieren. Es waren noch einige Malereien an den Wänden zu sehen.

In der Nähe der Höhle

Von der Höhle fuhren wir weiter in das kleine Bergdorf Zahara de la Sierra, das wunderschön am Fuß eines riesigen Felsens und oberhalb eines Stausees gelegen ist. Der Ausblick vom Gipfel des Felsens, auf dem eine alte maurische Festung steht, war wunderbar. Leider wurde es bereits dunkel, als wir oben ankamen. Im Ort aßen wir noch leckere Tapas zu Abend und fuhren dann zurück nach Sevilla.

Das Dorf ganz hinten im Bild, das ist Zahara


Das Dord im Hintergrund ist nicht Zahara











 
Blick vom Berg











Jo und seine Freundin kommen mich nächste Woche im Rahmen ihres Andalusienurlaubs besuchen. Wir werden zusammen nach Granada fahren und wohl auch nochmal nach Ronda und Zahara. Wenn das Wetter gut ist, werden wir eine kleine Wanderung machen. 
Thema WG: Vanesa, das california gurl, kommt aus ihrem total vermüllten Zimmer mittlerweile gar nicht mehr heraus und wenn man sie dann doch mal zufällig antrifft, verschwindet sie sofort. Fiamma hingegen ist ununterbrochen am Skypen und das in einer Lautstärke, die mich bald verrückt werden lässt. Diese Frau kann einfach nicht leise reden - selbst wenn sie direkt vor einem steht, schreit sie einen an. Hinzu kommt, dass die Wände dermaßen dünn sind, dass ich auch das leiseste Flüstern höre und mitreden könnte, wenn ich italienisch spräche. Dieser durch ständiges Lauter- und Leiserwerden gekennzeichnete Singsang begleitet mich den ganzen Tag. Ich hoffe jedes mal bevor ich ins Bett gehe, dass es aufhört und ich nicht schon wieder an ihrer Tür klopfen und sie bitten muss, doch bitte etwas leiser zu reden.

Mir geht es also gut - bis darauf, dass ich noch krank und ohne bici bin. Ein neues Rad werde ich mir frühestens am Wochenende kaufen können. Falls ich morgen wieder fit bin, werde ich ins Casa de Max auf eine jam session (sprich: chamm sässjón) gehen. Im Casa de Max wohnt tatsächlich Max, der seinen großen Innenhof kunstvoll gestaltet und mit einer Bühne versehen hat, auf der täglich Konzerte und jam sessiones stattfinden. Am Wochenende wollen Cordelia, Nora, Elena und ich an einem Kletterschnupperkurs in der Sierra Norte teilnehmen - bis dahin muss ich also wieder fit sein.
Nächste Woche fahre ich mit Jo und seiner Freundin, die eine Woche in Andalusien unterwegs sein weden, nach Granada, um die Alhambra zu besichtigen. Als Miri und ich sie im Februar besuchten, war das Wetter schlechter als Juans Bizza; hoffentlich bleibt das Wetter bis Dienstag beständig. Noch ist es früh- bzw. spätsommerlich warm, wenn die Sonne scheint.
Uni ist manchmal arg nervig hier - fast wie Schule. Ich werde die Tage in einige Sprechstunden gehen müssen, um die Dozenten zu fragen, was sie überhaupt von mir wollen.


Hier noch ein ganz netter TV-Bericht über Sevilla:
http://www.youtube.com/watch?v=7WFiiagkg6k

Ha luego.

Samstag, 6. November 2010

Don Juan

Buenaaaaas,

in den nächsten Tagen und Wochen stelle ich wieder öfter Bilder und Berichte hoch, u.a. von Ronda, der Alhambra und Madrid.

Quasi als Appetithäppchen wollte ich erstmal  ein Video hochstellen. Es ist aber zu groß, um es auf den Blog stellen zu können. Das Video hätte den Endkampf zwischen Don Juan und seinem Widersacher, dem Ex-Pressident von de Dewwils, der seine Bizza als absolute Scheise bezeichnet hat und dann nomma persönlisch mit ihm redn wollde, gezeigt.
Spaß beiseite: An Todos los Santos, Allerheiligen, gab es eine kleine Theateraufführung des Don Juan-Stoffs auf einem kleinen Platz in der Innenstadt. Hab jetzt nur ein paar Bilder, aber besser als gar nichts.
 

















Stay tuned und hasta luego


Mittwoch, 13. Oktober 2010

Riese in Frauenklamotten

Hola,

was ist in der letzten Woche so passiert...? Ich fange am besten vorne an.

Eine heikle Sache ereignete sich, als Miri noch da war. Im Mietvertrag steht, dass iBesuch der über Nacht bleibt, mit Passnummer im Büro der Agentur angemeldet werden muss (ich denke, dass man dann bezahlen muss). Gianluca hätte gesagt, bei denen piepts wohl und hätte nen Scheiß gemacht. Genauso dachte ich auch. Ich wusste aber, dass irgendein Hansel von Roomates vorbeikommen wollte, um den Herd zu reparieren. Miri und ich hatten deshalb einen kleinen Notfallplan entwickelt. Die Haustür verschloss ich mit dem Riegel, so dass ein Hansel auch mit Schlüssel nicht reinkonnte und für den Notfall legte ich mir Ausreden zurecht. Miri verstaute außerdem ihren Rucksack im Schrank usw. Und tatsächlich, eines Tages kam der Oberhansel von Roomates, um sich zu vergewissern, dass die anderen beiden Zimmer nicht abgeschlossen waren, da die beiden neuen Mitbewohner am nächsten Tag ankommen sollten. Es klingelte und klopfte an der Tür. Notfall! Miris Sachen wegräumen, einen Teller und ein Glas verstecken, Zeit schinden. Nachdem das Gröbste verschwunden war, öffnete ich die Tür. Die erste Frage, die mir gestellt wurde war, ob ich Besuch habe. Ich nuschelte als Antwort, dass ich welchen hatte, aber, äh, nur für einen Tag. Im Wohnzimmer stand noch ein großer Wäscheständer, der voll war mit Klamotten - Miris Klamotten. Und ganz obenauf lag auch noch ihr Bikini. Heilige Scheiße. Miri versteckte sich in meinem Zimmer hinter der Tür.  Als Langnase den Wäscheständer sah, fragte er mich erneut, ob ich Besuch habe und ich gab die "brillante" Antwort: "Estuve en Portugal. De vacaciones." (ich war in Portugal, im Urlaub). Darauf gab es keinen Kommentar, nur einen skeptischen Blick. Entweder glaubt der gute Mann nun, ich trage Frauenklamotten oder ich wollte ihn verscheißern (wahrscheinlicher). Ohne weitere Fragen zu stellen verließ er wieder die Wohnung. Mannomann war ich erleichtert.
Zwei Tage später kam dann ein Handwerker in die Wohnung - und auch in mein Zimmer, um Glühbirnen auszutauschen. Dieses Mal konnten wir nicht mehr reagieren - er sah Miri, ihre Tasche, ihre Matratze... Jetzt gibt´s Stress, dachte ich. Blöderweise musste ich am selben Tag ins Büro, um die Miete zu zahlen. Als ich dort stand und wartete, sah ich den Handwerker wie er sich mir einem Mitarbeiter der Agentur unterhielt. Jetzt sagt er es, dachte ich, und spitzte meine Ohren, um herauszufinden, ob  er den Besuch erwähnt, konnte jedoch nichts verstehen. Ich setzte mich schließlich an den Schreibtisch des Mitarbeiters, mit dem der Handwerker geredet hatte. Jener kam, setzte sich, warf einen Blick auf den Monitor und  dann zu mir und sprach mich an. Ich verstand nur ein Wort: Chica! Shit, dachte ich, jetzt isses raus, jetzt muss ich jeden weiteren Besuch anmelden und der muss blechen... oder er muss in ne Hostel. Verdammte Scheiße. Ich saß da und wartete auf nen Anschiss bis ich begriff, dass der Typ mich bloß gefragt hatte, wo ich wohne, ob das die Wohnung mit der chica italiana sei. Puh. Schwein gehabt. 
An alle, die mich besuchen wollen: ihr könmnt bei mir umsonst pennen (ich habe auch eine zweite Matratze, noch zwei Kissen und dicke Decken). Normalerweise kommt niemand vorbei, das war nur am Anfang. Ich freue mich über jeden Besuch. Ryanair fliegt nur noch bis November (dann wird der Flugbetrieb bis Februar oder März eingestellt), Iberia fliegt für ca. 200€ (vielleicht etwas weniger) über Madrid und Air Berlin über Palma de Mallorca nach Sevilla (ähnlicher Preis). Man kann auch nach Jerez de la Frontera fliegen (z.B. mit L´Tur) und dann mit dem Zug nach Sevilla kommen (1 Stunde, 10€). Hier könnt ihr umsonst pennen und wir können jeden Abend kochen, teuer ist also nur der Flug. Man kann schöne Sachen in der Stadt machen oder Trips nach Córdoba, Granada, Tarifa, Madrid, Cádiz, Gibtraltar, Ronda, Marokko, in die Sierra Nevada, Naturparks oder ans Meer... Überredet? ;).

Dann ging das Gas aus, das heißt die Gasflasche in der Küche war leer. Kein Gas bedeutet kein Warmwasser und keinen funktionierenden Herd. Ich klingelte bei unserer Nachbarin, um sie zu fragen, wie und wo man neue Gasflaschen bestellt. Aus einer Wohnung direkt gegenüber trat jedoch eine andere Frau, anscheinend die Tochter der Nachbarin, einer kleinen, runzeligen, uralten Frau. Als diese mich sah, wurde sie ganz entsetzt und plapperte irgendetwas von wegen wie groß ich doch sei und wie lästig das doch sein müsse und wie viel ich denn essen müsse und überhaupt, so n Riese... Ich fands lustig. Ich war wahrscheinlich der größte Mensch, den diese alte Frau jemals gesehen hat. Das Gas wurde erst zwei Tage später geliefert. So lange gab es Nudeln mit Salz, gekocht auf dem Campingkocher.   

An der Uni war es eine Zeit lang extrem langweilig, da ich niemanden kannte und von dem, was die Dozenten erzählten, so gut wie nichts verstand. Am Mittwoch fand die erste Stunde des Spanischkurses statt, in dem ich bisher einige nette Leute kennengelernt habe. Um zu erfahren, was so an Erasmus-Veranstaltungen angeboten wird, habe ich meinen Facebook-Account reaktiviert und mich in diversen Erasmus-Sevilla-Gruppen eingetragen. Seitdem bekomme ich jeden Tag eine Einladung für "fiestaaaaaaaaaaaaaa!!!! sangria 1€!!!! siiiii, somos locooooooos!!!!" (Ja, wir sind verrückt). Am Samstag ging ich aber lieber in die Bare Nostrum, eine kleine Bar in einer Gasse voller Kneipen. Dort habe ich einige Erasmusler aus Barcelona und Spanier kennengelernt. Wir haben dummes Zeug gequatscht, Bier getrunken und sind später noch in eine Art Club gegangen, genauer eine große Bar, in der Musik lief. Der Abend war gut, einer von denen, an denen man nur dann kein Glas in der Hand hält, wenn man gerade ein neues Getränk bestellt.

Heute ist (National)Feiertag, also frei. Gestern Abend traf ich mich mit einigen Leuten aus dem Spanischkurs am Plaza San Salvador, nicht weit von der Kathedrale. Auf diesem Platz, der ca. halb so groß wie die Konstablerwache ist, gibt es zwei oder drei winzig kleine Bars, in denen man sich nur an die Theke stellen kann. Der ganze Platz aber war voll mit Menschen, als hätte es dort ein Rockkonzert gegeben. Diese Treffen, bei denen auf Plätzen selbst Mitgebrachtes getrunken wird  nennt man in Spanien "botellónes" ( wörtlich: große Flaschen. Diese botellónes finden jedes Wochenende und manchmal auch unter der Woche statt. Auf so genannten macrobotellónes treffen sich bis zu 5000 Leute, um nach ein bis zwei Stunden weiter in die Clubs zu ziehen. Wir tranken ein Bier und liefen dann in das Stadtviertel Macarena. Dort gefällt es mir sehr gut, ich hatte auch kurz überlegt, dorthin zu ziehen. Es ist Teil der Altstadt, aber nicht so rausgeputzt wie die Gegend um die Kathedrale herum. Wir aßen dort Tapas (besonders lecker: eine Dattel eingerollt in eine angebratene Scheibe Serrano-Schinken), tranken noch paar Bier und gingen dann nirgendwohin, also in einen Club namens Utopia. Dort lief ziemlich gute Musik, anfangs Punk von Ende der 70er, später dann Oldies aus den 60ern und spanischer Rock. Es war ein bisschen wie im Clubkeller in Frankfurt - nicht so ein Schickimicki-Scheiß-Club wie die, in denen ich bisher war (ich hatte kurz nachdem ich angekommen war, eine von der Hostel organisierte Kneipentour gemacht).

Ich habe mir für 5 Monate ein Fahrrad ausgeliehen. Ich bin keine 2 Wochen damit durch die Gegend gefahren, als die Pedalstange abbrach. Nach einer Woche Reparatur habe ich es gestern wieder abgeholt. Das Schutzblech wird wohl ewig schleifen, die Hinterbremse niemals funktionieren und das Pedal in wenigen Wochen wieder abbrechen - das weiß ich jetzt schon. Es gibt hier in der Stadt öffentliche Fahrräder. An jeder großen Kreuzung oder an Plätzen stehen solche Fahrräder an Stationen. Man kann sich für eine Woche oder ein Jahr anmelden (5€) und die erste halbe Stunde kostenlos fahren. Das ist ganz gut, denn länger als 30 Minuten ist man sowieso nie unterwegs und wenn doch, wechselt man an einer der Stationen einfach das Rad. Der Haken an der Sache ist jedoch (und deswegen habe ich mir auch ein Fahrrad ausgeliehen), dass Stationen in Wohngegenden morgens, wenn man ein Fahrrad braucht, oft leer und Stationen an Arbeitsplätzen (wo man das fahrrad abstellen muss) voll sind. Während der Woche, die mein Rad in Reparatur war, hatte ich ein solches öffentliches Rad und fuhr jeden Morgen erstmal 10 Minuten Schleifen um die Uni, bis ich einen freien Ständer zum Abstellen des Rads gefunden hatte.

Ich hole mir jeden Morgen Brötchen beim Bäcker. Die sind zwar nicht besonders lecker (ziemlich knatschig), aber die Bäckerei ist toll. Die Theke ist mit Azulejos (bemalten Fließen) verziert und aus Boxen tönt klassische Musik. Es ist schön morgens halbverschlafen in den Laden zu gehen und die Musik zu hören. Wenn ich Zeit habe, trinke ich anschließend noch einen Milchkaffee in der Bar nebenan, in der ein gnomiger, untersetzter Kellner arbeitet, der manchmal ein völlig ausgewaschenes Streetfighter-T-Shirt trägt. Das ist mal oldschool.

Mittlerweile rede ich viel Spanisch und verstehe immer mehr. Gestern konnte ich in der Vorlesung zum ersten Mal etwas mitschreiben. Cordelia, die ich aus dem Spanischkurs kenne, spricht Spanisch fast perfekt und wir unterhalten uns oft auf Spanisch. Das ist eine gute Übung, auch weil ich sie immer gleich nach einer Vokabel oder einem Ausdruck fragen kann ;).
Das Wetter ist ziemlich gut. Am Wochenende hat es mal einen Tag viel geregnet, aber ansonsten ist der Himmel stets wolkenlos. Es ist ein bisschen komisch: ich laufe in  kurzen Klamotten und Sandalen durch die Stadt und die Bäume verlieren ihre Blätter... also auch hier kommt der Herbst ;).

Meine beiden Mitbewohnerinnen regen mich manchmal auf. Die eine, weil sie die meiste Zeit mit ihrem Laptop vorm TV hockt (sie sieht nicht fern und hört auch nicht zu, das Ding läuft einfach nur) und man sich dementsprechend auch nicht mit ihr unterhalten kann. Aus ihrem Zimmer quillt außerdem schon der Mief und es sieht aus, als hätte eine Bombe eingeschlagen. Die andere, Fiamma aus Firenze, ist nett und alles, aber sie skypt den gaaaaaanzen Tag und das in einer extremen Lautstärke (die Wände sind auch nicht besonders dick). Schlimm ist nicht nur die Lautstärke, sondern auch die Sache, dass sie die Internetverbindung noch langsamer macht, als sie eh schon ist. Filme buffern kann ich also vergessen und selbst kurze youtube-Videos müssen ne halbe Stunde laden, bevor ich sie gucken kann.

Heute war ich beim Friseur direkt um die Ecke. Ein alter Mann schneidet dort in einem winzigen Salon Haare, aber nur caballeros, Herren. Ich dachte mir, wer, wenn nicht jemand, der schon immer Männerschnitte macht (und die Männer hier haben nahezu alle die gleiche Frisur) kann mir gescheit die Haare schneiden? Und er hat mich nicht enttäuscht. Schnaubend und röchelnd von den vielen Zigaretten, die er raucht, gab er sein Bestes und hielt währenddessen immer wieder ein Schwätzchen mit seinen Oppi-Kumpels, die vorbeischauten und darauf warteten, selbst die Haare geschnitten zu bekommen.
Diesen Friseur kann ich nur weitermpfehlen. ;)

Abends habe ich mir in einem CSOA, centro social ocupado y autogestionado (selbstverwaltet) einen Film angeschaut. Für Konzerte, Filme und günstiges Bier ist das ein guter Anlaufpunkt ;).

Joa, eso es. Soweit.

Hasta luego

Sonntag, 3. Oktober 2010

Cádiz, Uni, Córdoba

Hey,

nachdem wir aus Portugal zurückkamen, wurde Miri leider krank. Halsschmerzen und Husten plagten sie das gesamte Wochenende über. Am Montag (27.9.) ging die Uni los. Ich ging allerdings nicht hin. Einen Stundenplan hatte ich nocht nicht, Miri ging es wieder besser und außerdem erster Tag und so... da machten wir doch lieber einen Ausflug nach Cádiz. Im Februar, vor unserer Marrokoreise, waren wir schon einmal dort, jedoch regnete es damals fast pausenlos. Dieses Mal machte uns das Wetter keinen Strich durch die Rechnung - die Sonne strahlte mit 30 Grad. Cádiz ist sehr schön auf einer länglichen Halbinsel gelegen, die ins Meer ragt. Die Altstadt ist durchzogen von schmalen Gassen und ringsherum umgeben vom Atlantik. 
Auf vielen Hausdächern in der Altstadt stehen Wachtürme, von denen Kaufleute, als der gesamte Handel mit Amerika über Cádiz abgewickelt wurde, das Meer beobachteten, um die Ein- und Ausfahrten der Handelsschiffe im Auge zu behalten. In einem dieser Türme befindet sich heute eine sogenannte Camera oscura (Dunkelkammer), in der eine Leinwand ist, auf die ein Spiegel, der in einem gebogenen Rohr sitzt, die Dinge draußen projeziert (ähnlich eines Periskops eines U-Boots). Auf die Leinwand also wurde das Bild der Stadt mit ihren vielen Kirchtürmen, Gassen und Wachtürmen projeziert, das aussah wie ein Foto, nur dass sich die Personen und Autos darauf  bewegten. Ein Angestellter drehte das Gerät und führte uns so semivirtuell durch die Stadt. Es war wirklich abgefahren: man sah eine Mischung aus Foto und Video, sozusagen ein bewegtes Foto.
 
Links der Fischerhafen von Cádiz, rechts Ausblick von der Dachterrasse des Wachturmes mit der Camara oscura.

Am Dienstag bin ich dann zur Uni gegangen. Ich hatte mir vorher einen vorläufigen Stundenplan gemacht und war doch etwas überwältigt von seiner tatsächlichen zeitllichen Ausdehnung. Die Kurse hier dauern nur jeweils 60 Minuten, finden dafür vier mal pro Woche statt. Es gibt keine Unterscheidung zwischen Vorlesung oder Seminar wie in Frankfurt, sondern Theorie- und Praxisstunden. Wie das genau läuft, werde ich erst im Laufe der nächsten woche erfahren. Generell ist die Struktur der Uni schulischer als in Deutschland. Von dem, was die Dozenten gesagt haben, habe ich einiges, aber längst nicht alles verstanden. Um etwas zu verstehen, musste ich meine gesamte Aufmerksamkeit auf die Worte des Dozenten richten, was sehr anstengend und auf Dauer sehr ermüdend ist. Mit halbem Ohr hinhören geschweige denn hinhören und mitschreiben ist also erstmal nicht möglich. 
Zu Beginn des ersten Kurses stand ich im Raum und schaute mich um, und wahrscheinlich sah man mir an, dass ich keine Sau kannte. Plötzlich kam ein Student zu mir, fragte mich, wie ich heiße und ob ich hier jemanden kennen würde. Ich sagte nein und daraufhin stellte er mich erst einmal allen seinen Kumpels vor - und das waren fast alle.
Am Mittwoch gab es in Spanien einen huelga general, einen Generalstreik gegen Sozialreformen der Regierung Zapatero. Uni fiel also aus - am Abend gingen wir vorzügliche Tapas (raffinierte Kleinigkeiten, die zu einem Getränk serviert werden) essen. Am Donnerstag ging ich wieder zur Uni, Freitag allerdings nicht, da ich mit Miri unbedingt nocheimal nach Córdoba fahren wollte, bevor sie heute Abend wieder zurückflog. Sehenswert in Córdoba ist die Judería (Judenviertel) genannte Alsstadt mit ihren schmalen Gassen und mit Blumen gespickten Patios (Innenhöfe) und besonders die Mezquita, eine riesige Moschee-Kathedrale. Erbaut  von den Mauren im 8. Jahrhundert als Moschee, wurde in diese nach der Reconquista (der Rückeroberung des maurischen Andalusiens durch die Christen) eine Kathedrale eingebaut  Man läuft also durch eine riesige Moschee ganz im arabischen Baustil, bis man urplötzlich in einer prunkvollen Kathedrale steht.


Links: die Säulen sind typisch für die Moschee, hinten rechts sieht man ein Schiff der christlichen Kathedrale. Rechts: Torbogen, der den Mihrab, den Gebetsraum des Vorbeters, überragt.




 
Links: Die in die Moschee eingebaute Kathedrale Rechts: Christlicher Altar inmitten der Moschee.
 Der Glockenturm der heutigen Kathedrale, früher das Minarett der Moschee.











Ich habe jetzt zwei Mitbewohnerinnen. Chianna kommt aus Italien und ist auch Erasmus-Studentin. Alexandra kommt aus Kalifornien und arbeitet als Spanischlehrerin. Mit Chianna komme ich gut aus, Alexandra ließ sich bisher kaum blicken. Miri ist heute wieder nach Hause gefolgen, leider, leider, leider...

Hasta luego und liebe Grüße,

Robert