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Mittwoch, 25. August 2010

Oye, qué hace calor...

Hola,

ueber Suedspanien rollt gerade eine ola de calor, eine Hitzewelle. Es ist unertraeglich heiss - ein Thermometer  hat vor einer halben Stunde, um 19 Uhr, 45 Grad angezeigt - und in meinem unklimatisierten Zimmer ist es auch nicht viel kuehler. Wenn man die Strasse entlang laeuft ist es eine Wohltat, an Tueren von Gebaueden, in denen eine Klimaanlage laeuft, nur vorbeizulaufen. Noch besser ist es natuerlich, im Raum drin zu sein, weshalb ich viel Zeit in Cafés oder Museen verbringe oder es beim Einkaufen im Supermarkt etwas langsamer angehen lasse.

Gestern Abend habe ich mir eine Flamencoshow angeschaut. Auf der Buehne waren drei Leute: ein Gitarrist, ein Saenger und eine Taenzerin. Jedes Stueck fing gleich an: Der Saenger sang, oder besser gesagt wimmerte lautstark und in hoechsten Toenen begleitet von der Gitarre und verzog dabei das Gesicht, als waeren seine Lieblingsgummibaerchen ausverkauft. Zu diesem Klagegesang klatschten er und die Taenzerin den Rythmus. Diese war von gewaltiger Statur und eigentlich nur an ihrer Oberweite eindeutig als Frau zu erkennen. Zunaechst setzte sie mit Stepeinlagen ein, zu denen sie die Arme kunstvoll in die Luft hob und pirouettenartig drehte. Schliesslich ergaenzte sie - der cantante jammerte immernoch nach seinen Gummibaerchen - das Steppen um den eigentlichen Tanz, zu dem sie mit ihren gewaltigen Tretern selbst den Rythmus stampfte. Ihr Blick dabei war so streng, dass sie Terminator nur haette anschauen brauchen, um in "Mamaaa!" rufen zu lassen. Das ganze schaukelte sich dann hoch zu einem atemberaubenden Zusammenspiel von Tanz, Rythmus und Gesang, das urploetzlich mit einem finalen Stampfer auf den Boden beendet wurde. Und die Menge tobte.
Das Steppen und der Tanz haben mir gut gefallen, die Klagegesaenge waren auf Dauer jedoch etwas nervig.
So viel dazu.

Gestern schaute ich mir mal wieder eine Wohnung an. Ich traf mich mit dem Hauptbewohner Benjamin vor einem Busbahnhof. Er meinte, wir muessten erstmal in die naechste Bar gehen, um ein bisschen Bier zu trinken, damit wir uns besser unterhalten koennen (es war 12 Uhr mittags). Naja, dachte ich mir, Bier schmeckt auch zu dieser Tageszeit, und so haben wir uns in die naechste Bar gehockt. Benjamin erzaehlte mir von sich: er ist Theaterschauspieler und -regisseur, Maler, Schriftsteller und - Achtung - Intellektueller. Nun ja, was ich wirklich gut fand war, dass er sehr deutlich und korrekt Spanisch sprach. Nach zwei Bieren gingen wir dann in seine Wohnung. Das Mietshaus war sehr schoen. Es wurde Ende der 1920er Jahre gebaut und diente waehrend der iberoamerikanischen Ausstellung 1929 als Unterkunft fuer die suedamerikanischen Regierungschefs. Die Wohnung selbst war auch schoen, aber ein bisschen arg ueberladen mit Postern und Zeitungsrezensionen seiner Theaterstuecke, antiken Moebeln und von ihm gemalten Bildern. Was mir besonders auffiel war ein Gemaelde neben der Tuer, auf dem zwei nackte Maenner bis zu den Knoecheln im Wasser standen und auf das Meer hinausschauten. Handwerklich war das sicher nicht schlecht, aber wieso ein riesiger nackter Maennerarsch direkt neben der Tuer?! Gut, wenn man auf Maenner steht, haengt man sich sowas auch neben die Tuer. Ich aber fuehlte mich nicht wohl bei der Sache. Nicht, weil der Typ schwul war, sondern weil ich das Gefuehl nicht los wurde, dass er mir staendig schoene Augen machte.
Das Zimmer, das ich haette haben koennen, war schoen eingerichtet, aber ziemlich klein. Besonders pries er mir den Balkon an, denn dort, umgeben von gruenenden Blumen, habe er eine besonders produktive Phase gehabt und die ersten Seiten seines im Maerz erscheinenden Romans geschrieben. Schoen und gut, aber mit seinem extravaganten Kuenstlergehabe ging er mir dann doch ziemlich aufn Sack und ausserdem fuehlte ich mich, als wir in der Kueche Kaffee tranken, unwohl weil angemacht, und ich musste sofort wieder an das Bild neben der Tuer denken und an seine Inspiration dafuer, die, wie er erzaehlte, eine innige Bekanntschaft war...

Ich habe jetzt ein Zimmer in einer 3er-WG in der Calle Dos Hermanas im Stadtteil Santa Cruz. Das ist das alte Judenviertel mit vielen Bars und engen Gassen, aehnlich einer arabischen Medina. Allerdings kann ich erst zum 1.9. in das Zimmer einziehen, weshalb ich zur Zeit uebergangsweise in einer anderen Wohnung "crashe", die nur wenige Strassen weiter ist. Bilder und Videos stell ich dann hoch, wenn ich meinen Laptop hier habe.

Dass mich mein Gefuehl bei Benjamin nicht getaeuscht hat, zeigte eine SMS, die er mir auf meine Absage hin geschickt hat. In ihr stand: "Hola guapo. Estoy feliz de conocerte. ... Besos." ("Hallo Huebscher. Ich bin gluecklich, dich zu kennen. ... Kuesse.") Da hab ich wohl grad nochmal meinen Arsch gerettet ;).

Heute Abend ist Unikino und morgen fahre ich ans Meer. Das ist das einzig Vernuenftige, das man bei dieser Hitze machen kann. Zum Wochenende soll es nochmal 5 Grad waermer werden. Oye, qué hace calor...

Dienstag, 24. August 2010

-Rough Gau Zidday -

Moin Roberto da Gama,

kurz, aber heftig... so und nicht anders wird mein Fazit in Bezug auf den Besuch in Rodgau ausfallen. Gestern Nacht um 3 hier angekommen, begab ich mich bereits heute früh um 8 zum Bahnhof, um Susi und Henning entgegenzufahren. Dabei konnte ich den verregneten Morgendunst genießen, der über Rodgaus Straßen hing und der lediglich in den Gefilden der Bonhoeffer Straße vom leisen Summen der B-45 zerschnitten zu werden drohte.
Ich stieg also in meinen Truck (ick hab die Funke jedanklick mit einjeschalted, um mit meenen Kollägen uffa Autobahn in Kontakt zu bleiben, wa!) und fuhr gen Hauptstraße.

Nichts böses ahnend fuhr ich an der Schule vorbei. Mein Kopf im Traumdialog zwischen Autobahnfantasien und Rodgauer Kindheitserlebnissen.

Da passierte es:

Mit wurde bewusst, dass es in Rodgau einen Zeittunnel, ein Wurmloch oder etwas ähnlich chrono-physikalisch einflussreiches geben muss... denn ich sah ein Gesicht. Nicht irgendein Gesicht, sondern ein ganz bestimmtes, das ich bereits seit meiner Grundschulzeit sehen konnte.

Das Gesicht von Patrick Hakenbroich!

Mit der Ruhe eines säugenden Nar-Wal Weibchens fuhr mir dieser lange Kerl auf seinem Fahrrad entgegen, das Gesicht so bubenhaft wie zu Zeiten der 1a der Münchhausen Schule.
Die Zeit schien für einen Moment stillzustehen, als ich bemerkte, dass die Rhytmik seines wiegenden Gehstils, direkten Einfluss auf die Art und Weise seines Tretbewegungsablaufs genommen hatte. Kaum sah ich ihn, war es auch schon wieder vorbei und die Zeit, die für einen Moment stillgestanden hatte, holte in einem Sprung den Geschwindikeitsverlust nach, indem alles vorgespult wurde.

Ich blieb verwundert zurück, als ich in den 3ten Gang schaltete. Als ich am verkehrischen Schmelztiegel Hainhausens - der Kreuzung zwischen Getränke Profi und Sonnenstudie - angelangt war, fragte ich mich, wie es dieser Kerl immer wieder schafft, so sicher wie das Amen in der Kirche von mir gesehen zu werden, wenn ich mal wieder in den Rodgau komme. Er scheint mit der Regelmäßigkeit eines Pendels zwischen eben besagter Kreuzung und der Brücke unten am Klärwerk hinundherzuwandern.

Ist es ein Müßiggang? Ist das sein Job (Hauptstraßen Surfer) oder hat er sich einfach nur seit der Grundschule verlaufen und findet den Weg nach Hause nicht mehr ?

Vielleicht aber ist es seine Form eines Aufrufs. Seine Form eines Columbine oder Erfurt Massakers. Ein stiller Protestmarsch, mit dem er die Rastlosigkeit unserer modernen Gesellschaft kritisiert. Eine seit mehreren Jahren dauernde Pilgerreise, die irgendwann zur Rodgauer Loveparade anwachsen könnte, würde nur irgendjemand die gelebte Konsequenz dieser Aktion zur Kenntnis nehmen.

Die Antwort darauf wird mir wohl auf Ewig verborgen bleiben. Aber eines kann ich mit Sicherheit sagen. Es ist manchmal schön zu wissen, dass sich einige Dinge nie ändern.

Der Rodgau...

Wie ein Fels in der Brandung steht Patrick Hakenbroich dort und ruft mir wie eine Maschine aus der Zukunft, die nicht altern kann, zu: "Ich komme wieder!..."


Hasta la Vista, Baby! ;)

Montag, 23. August 2010

So siehts aus mein Liwwa..

da du Socke dich ja durch deinen Spanienurlaub davor drückst, uns beim Umzug zu helfen, bekommst du hier nen kleinen Vorgeschmack auf unser neues Crib ... ;)



Viel Spass weiterhin und natürlich das nötige Quäntchen Glück bei der Wohnungssuche.

Hasta luego

Freitag, 20. August 2010

Habitación pánico

Hallo,

ich bin gut angekommen und seit Mittwoch damit beschaeftigt, ein Zimmer zu finden. Fuenf habe ich mir schon angeschaut, allerdings war noch nicht das richtige dabei. Oft sind die Zimmer nicht viel groesser als eine Abstellkammer und die Betten... da haette ich vielleicht vor zehn Jahren reingepasst ;). Heute habe ich gluecklicherweise eine Wohnungsagentur gefunden, die Zimmer an Studenten vermietet. Am Montag geht die Suche weiter und spaetestens am Dienstag sollte ich etwas gefunden  haben. Das ist auch bitter noetig, denn die Hostel, in der ich wohne, ist absoluter Bullshit. Die letzte Nacht war der Horror: Im Dorm gibt es eine Klimaanlage. Um diese anzumachen, muss man eine Karte in einen Slot stecken (damit der Strom angeht) und sie mit einer Fernbedienung anschalten. In der ganzen Hostel gibt es aber nur eine (!) Fernbedienung, und zwar an der Rezeption. Die war allerdings schon geschlossen, als ich nachts heimkam. Es war auch sonst niemand im Schlafsaal, der die Klimaanlage schon angemacht haben koennte.  Eine Klimaanlage ist zur Zeit unabdinglich.Tagsueber sind es bis zu 38 Grad und nachts kuehlt es kaum ab, vielleicht auf 25 Grad. Haette ich allerdings die Ferbbedienung gehabt, waere es auch nicht viel besser gewesen. Denn der Schalter fuer das Licht ueber meinem Bett ist kaputt. Erst ging das Licht gar nicht an, jetzt geht es nicht mehr aus! Haette ich also die Karte in den Slot fuer den Strom gesteckt und eine Fernbedienung fuer die Klima bekommen und  sie an gemacht, waere es im Zimmer taghell gewesen.
Ich stieg also ins Hochbett (!) und versuchte ohne Klimaanlage zu schlafen. Ich war gerade eingeschlafen, als ein Typ reinkam und sich in das Bett unter mir legte. Ploetzlich roch es. Ich ueberlegte. Was konnte das sein? Vielleicht kocht irgendjemand etwas. Aber nachts um halb eins?  Ich nahm einen  tiefen Zug durch die Nase. Es stank fuerchtelich. Und ich wusste auch sofort warum. Der Typ unter mir war ins Bett gegangen - ohne vorher geduscht zu haben. Er stank dermassen bestialisch nach Schweiss, dass ich nur durch den Mund atmen und nicht einschlafen konnte, zumal ich mittlerweile anfing zu schwitzen. Und als waere all dies nicht genug, fing dieser Penner auch noch an zu schnarchen - und zwar so wie de Headbanger de Richie naervt: wie die Sau. Um halb fuenf - ich hatte noch kein Auge zugemacht - beschloss ich, runter in den Aufenthaltsraum zu gehen. Die Luft im Zimmer war zum Schneiden dick. Gegen halb sieben nickte ich dann auf einer Couch ein und kehrte um sieben in den Schlafraum zurueck. Um zehn Uhr wurde ich wieder geweckt. Beim Zaehneputzen musste ich schliesslich feststellen, dass das Klo zugeschissen ist. Guten Morgen.
Spaetestens am Montag bin ich hier raus und dann kann ich es mir bequem machen.

Kommt mich besuchen, Sevilla ist wunderschoen und wie geschaffen, um auszugehen. Ausserdem gibt es hier das beste Eis der Welt.
Die Leute sprechen sehr schnell und undeutlich und lassen ausserdem das s sowohl innerhalb eines Wortes als auch am Wortende weg. Ich sage ihnen dann immer, dass sie etwas langsamer sprechen sollen und dann klappt es auch.
Zur Zeit ist die Stadt relativ leer, viele Bars und Laeden haben noch Sommerferien. Esrt im September macht dann wieder alles auf - dann wird es auch wieder kuehler. Ma' fre'co, wie man hier sagt ;).

Ich habe jetzt eine spanische Handynummer. Miri benutzt meine deutsche ab Ende September.

So, jetzt gehe ich erstmal eine Runde schlafen -  ohne Schnarchnase, ohne Gestank, mit Klima - und mit Licht.

Am Wochenende mache ich einmal einige Bilder, die ich dann auf den Blog stelle. 


Buena' noche'

Sonntag, 15. August 2010