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Sonntag, 3. Oktober 2010

Cádiz, Uni, Córdoba

Hey,

nachdem wir aus Portugal zurückkamen, wurde Miri leider krank. Halsschmerzen und Husten plagten sie das gesamte Wochenende über. Am Montag (27.9.) ging die Uni los. Ich ging allerdings nicht hin. Einen Stundenplan hatte ich nocht nicht, Miri ging es wieder besser und außerdem erster Tag und so... da machten wir doch lieber einen Ausflug nach Cádiz. Im Februar, vor unserer Marrokoreise, waren wir schon einmal dort, jedoch regnete es damals fast pausenlos. Dieses Mal machte uns das Wetter keinen Strich durch die Rechnung - die Sonne strahlte mit 30 Grad. Cádiz ist sehr schön auf einer länglichen Halbinsel gelegen, die ins Meer ragt. Die Altstadt ist durchzogen von schmalen Gassen und ringsherum umgeben vom Atlantik. 
Auf vielen Hausdächern in der Altstadt stehen Wachtürme, von denen Kaufleute, als der gesamte Handel mit Amerika über Cádiz abgewickelt wurde, das Meer beobachteten, um die Ein- und Ausfahrten der Handelsschiffe im Auge zu behalten. In einem dieser Türme befindet sich heute eine sogenannte Camera oscura (Dunkelkammer), in der eine Leinwand ist, auf die ein Spiegel, der in einem gebogenen Rohr sitzt, die Dinge draußen projeziert (ähnlich eines Periskops eines U-Boots). Auf die Leinwand also wurde das Bild der Stadt mit ihren vielen Kirchtürmen, Gassen und Wachtürmen projeziert, das aussah wie ein Foto, nur dass sich die Personen und Autos darauf  bewegten. Ein Angestellter drehte das Gerät und führte uns so semivirtuell durch die Stadt. Es war wirklich abgefahren: man sah eine Mischung aus Foto und Video, sozusagen ein bewegtes Foto.
 
Links der Fischerhafen von Cádiz, rechts Ausblick von der Dachterrasse des Wachturmes mit der Camara oscura.

Am Dienstag bin ich dann zur Uni gegangen. Ich hatte mir vorher einen vorläufigen Stundenplan gemacht und war doch etwas überwältigt von seiner tatsächlichen zeitllichen Ausdehnung. Die Kurse hier dauern nur jeweils 60 Minuten, finden dafür vier mal pro Woche statt. Es gibt keine Unterscheidung zwischen Vorlesung oder Seminar wie in Frankfurt, sondern Theorie- und Praxisstunden. Wie das genau läuft, werde ich erst im Laufe der nächsten woche erfahren. Generell ist die Struktur der Uni schulischer als in Deutschland. Von dem, was die Dozenten gesagt haben, habe ich einiges, aber längst nicht alles verstanden. Um etwas zu verstehen, musste ich meine gesamte Aufmerksamkeit auf die Worte des Dozenten richten, was sehr anstengend und auf Dauer sehr ermüdend ist. Mit halbem Ohr hinhören geschweige denn hinhören und mitschreiben ist also erstmal nicht möglich. 
Zu Beginn des ersten Kurses stand ich im Raum und schaute mich um, und wahrscheinlich sah man mir an, dass ich keine Sau kannte. Plötzlich kam ein Student zu mir, fragte mich, wie ich heiße und ob ich hier jemanden kennen würde. Ich sagte nein und daraufhin stellte er mich erst einmal allen seinen Kumpels vor - und das waren fast alle.
Am Mittwoch gab es in Spanien einen huelga general, einen Generalstreik gegen Sozialreformen der Regierung Zapatero. Uni fiel also aus - am Abend gingen wir vorzügliche Tapas (raffinierte Kleinigkeiten, die zu einem Getränk serviert werden) essen. Am Donnerstag ging ich wieder zur Uni, Freitag allerdings nicht, da ich mit Miri unbedingt nocheimal nach Córdoba fahren wollte, bevor sie heute Abend wieder zurückflog. Sehenswert in Córdoba ist die Judería (Judenviertel) genannte Alsstadt mit ihren schmalen Gassen und mit Blumen gespickten Patios (Innenhöfe) und besonders die Mezquita, eine riesige Moschee-Kathedrale. Erbaut  von den Mauren im 8. Jahrhundert als Moschee, wurde in diese nach der Reconquista (der Rückeroberung des maurischen Andalusiens durch die Christen) eine Kathedrale eingebaut  Man läuft also durch eine riesige Moschee ganz im arabischen Baustil, bis man urplötzlich in einer prunkvollen Kathedrale steht.


Links: die Säulen sind typisch für die Moschee, hinten rechts sieht man ein Schiff der christlichen Kathedrale. Rechts: Torbogen, der den Mihrab, den Gebetsraum des Vorbeters, überragt.




 
Links: Die in die Moschee eingebaute Kathedrale Rechts: Christlicher Altar inmitten der Moschee.
 Der Glockenturm der heutigen Kathedrale, früher das Minarett der Moschee.











Ich habe jetzt zwei Mitbewohnerinnen. Chianna kommt aus Italien und ist auch Erasmus-Studentin. Alexandra kommt aus Kalifornien und arbeitet als Spanischlehrerin. Mit Chianna komme ich gut aus, Alexandra ließ sich bisher kaum blicken. Miri ist heute wieder nach Hause gefolgen, leider, leider, leider...

Hasta luego und liebe Grüße,

Robert

3 Kommentare:

  1. Hey Peter, du hast ja Spionagefotos vom Flottenangriff in Cadiz!Heiße Ware!!!! ;)

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  2. Frag mal einen beliebigen Österreicher was vor einigen Jahren in Cordoba passiert ist. Ein fester Teil der österreichischen Identität.

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  3. Ich habs mal gegoogelt. 1978 gewann Österreich bei der Fußball WM gegen Deutschland, den damals amtierenden Weltmeister. Das war allerdings in Córdoba, Argentinien ;).

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